Wie einige von euch wahrscheinlich wissen, waren Anne-Marie und ich letzte Woche in der Türkei.
Eine Woche Urlaub. Das hört sich viel einfacher an als es ist.
Ursprünglich sollten wir nachmittag so gegen 16 Uhr ab Hamburg fliegen. Das wurde dann auf den frühen Abend verschoben und ein paar Wochen vor dem Urlaub haben wir einen Brief bekommen, dass unser Abflug erst um 21.40 Uhr ist.

Um uns vor’m Abflug noch ein paar Flugzeuge von einer der Terrassen ansehen zu können, waren wir bereits so gegen 17.30 Uhr am Hamburger Flughafen. Um 19.30 Uhr konnten wir dann endlich einchecken. Natürlich standen wir genau in der falschen Schlange. Wir standen in der Schlange für den Sky-Flug SHY 0142 nach Antalya um 21.50 Uhr. Wir hatten aber den Sky-Flug SHY 0144 nach Antalya um 21.40 Uhr. Nachdem wir dann in der richtigen Schlange standen und unser Gepäck aufgegeben haben, wollten wir auch gleich weiter zu den Gates. Bedeutet erstmal: Das ganze Trinken im Handgepäck austrinken. Dann erstmal das ganzen Handgepäck durchleuchten lassen. Als wir damit fertig waren, sind wir noch kurz durch die Abflugebene des Terminals geschlendert und dann zum Wartebereich an unserem Gate gegangen. Passkontrolle und dann hieß es warten.
Abflug sollte um 21.40 Uhr sein. Aber ich hatte schon so ein komisches Gefühl als um 21.45 Uhr immer noch ein Techniker aus dem Flugzeug in den Terminal lief, telefoniert hat, besorgt geguckt hat, wieder ins Flugzeug ging, wieder heraus kam, wieder besorgt geguckt hat, wieder telefoniert hat, wieder besorgt geguckt hat und schließlich wieder ins Flugzeug ging.
Um 21.50 Uhr ergriff dann eine Mitarbeiterin des Aviation Handling Services (kurz AHS) das Mikrofon für die Lautsprecherdurchsage. Aber nicht um zum Boarding aufzurufen, sondern um uns etwas durchzusagen, was wir eigentlich nicht hören wollten. “Sehr verehrte Damen und Herren, leider habe ich keine gute Nachricht für Sie.” Das fing ja schon gut an. Erst rechnete ich mit ein bis zwei Stunden Verspätung, verwarf den Gedanken aber sofort wieder, da in einer Stunde das Nachtflugverbot eintrat. Also hörte ich weiter der Stimme aus den Lautsprechern zu. “Sie können heute leider nicht mehr fliegen, da es einen technischen Defekt am Flugzeug gibt. Wir planen zur Zeit Ihre Unterbringung in Hotels. Da Sie Ihr Gepäck nicht wieder ausgehändigt bekommen um morgen Zeit zu sparen, werden Sie alles Nötige, was Sie brauchen im Hotel kriegen.”
Das war erstmal ein Schock. Sofort fingen die kleinen Kinder an zu weinen, die schon so aufgeregt über ihren Flug und den Urlaub waren und einige Frauen riefen so brauchbare Vorschläge wie “Nehmt doch einfach ein anderes Flugzeug! Hier stehen doch genug rum.”
Wir bekommen alles was wir brauchen im Hotel? Mir kam als erstes Unterwäsche und meine Zahnbürste in den Sinn. Einen Augenblick später kam die Aufforderung, alle sollten sich wieder in den Terminal zu den Check-In-Schaltern begeben. Also alle ungefähr 180 Fluggäste des Fluges SHY 144 nach Antalya durch die Ankunftebene vorbei am Zoll wieder in die Haupthalle des Terminals und ab zum Schalter der AHS. Dann hieß es wieder warten. Uns wurde schon angekündigt, dass wir die Wahl haben zwischen Hotel oder die Nacht zuhause verbringen. Aber von Krisenmanagement bei der AHS keine Spur. Das sah eher nach Brötchenpause aus. Auf die Frage einiger verärgerter “Flug”gäste, was denn nun passiere, wurde uns nur aus einem der Hinterräume zugerufen, dass man noch auf schriftliche Antwort der Sky Airline aus Antalya warte.
Immerhin war die Stimmung aller noch relativ gut und es wurden ordentlich Witze über die Sky Airline und den AHS gerissen. Nur als einige der AHS-Mitarbeiter plötzlich meinten, Feierabend machen zu müssen, anstatt sich dem Problem annehmen zu müssen, wurden die Menge schon etwas lauter.
Um kurz vor 23.00 Uhr tat sich dann endlich etwas. Wir wurden alle in Listen aufgenommen, ob wir ins Hotel oder nach Hause wollten und wurden darüber informiert, dass unser Ersatzflug voraussichtlich am nächsten Morgen (Dienstag) um 07.30 Uhr ginge. Dann sollten alle aus dem Hauptein-/ausgang nach draußen zur Straße gehen und auf den Bus warten, der jeden Moment kommen sollte. Zum Glück ist es ja nachts in Hamburg nicht kalt. Besonders, wenn einige ihre Jacken im Koffer verstaut hatten, den sie ja nicht wiederbekamen. So vergingen dann 10 Minuten, 20 Minuten, 30 Minuten. Auf Anne-Maries Nachfrage am Schalter, wo denn der Bus bleibe, meinten die nur, der solle eigentlich schon lange dasein. Nach einer dreiviertel Stunde ist dann einer der Passagiere mal auf die Idee gekommen, bei der unteren Fahrspur nachzugucken. Und tatsächlich. Der Bus war schon seit einer dreiviertel Stunde da. Er stand nur die ganze Zeit fünf Meter unter uns. Also sind alle runtergegangen zum Bus. Alle? Nein. Einige haben das wohl nicht mitbekommen und haben weiter oben gewartet. Aber anstatt, dass der Busfahrer mal eben nach oben geht. Ich wollte ja schon selbst nach oben gehen, aber der Busfahrer wollte schon jeden Moment losfahren und, wenn ich deshalb dann am Flughafen geblieben wäre, wäre das auch übelst scheiße gewesen. Also weiter warten. Dann ist der Bus losgefahren, hat eine Runde gedreht und hat dann oben noch einige eingesammelt. Aber da sind immer noch nicht alle eingestiegen. Auf jeden Fall gings dann zum Hotel. Das Best Western Queens Hotel in Hamburg Alsterdorf war die Residenz für unsere erste Urlaubs-Nacht. Um 00.15 Uhr waren wir dann in unseren Zimmern. Für eine 4 Sterne Hotel meiner Meinung nach etwas mager, aber ok. Da wir ja bereits vor Stunden unser letztes Trinken aus dem Handgepäck entfernen mussten, nicht an den Koffer kamen und auch keine Möglichkeit hatten, uns etwas Neues zu trinken zu kaufen, haben wir erstmal die Minibar geöffnet. Hui, zum Glück mussten wir das nicht selbst bezahlen (wäre ja auch noch schöner gewesen): 0,25l Pepsi-Cola 3,20€. Um 00.45 Uhr bekamen wir dann einen Anruf von der Rezeption, dass wir um 04.30 Uhr einen Weckruf erhalten würden, da wir um 05.00 Uhr abgeholt würden, da unser Ersatzflug um 07.00 Uhr sei. Frühstück gäbe es für uns nicht.
Ach ja: “Im Hotel kriegen wir alles, was wir so brauchen.” Wer zum Henker braucht eine Badekappe??? Zahnbürste und Co.? Fehlanzeige. Die musste Anne-Marie dann der Rezeption abschwatzen. Dann ging’s aber gegen 01.00 Uhr ins Bett. Natürlich konnten wir vor Aufregung erst gar nicht schlafen. Als wir dann seit geschätzten zehn Minuten geschlafen haben, kam auch schon der Weckruf. Es war halb 5. Also aufstehen und sich wieder mit dieser ekeligen Zahncreme die Zähne putzen, anziehen, das bisschen Handgepäck zusammenkramen, Schlüsselchipkarten abgeben und wieder in den Bus.
Um 05.20 Uhr waren wir dann wieder am Flughafen. Neu einchecken brauchten wir nicht, da die unsere Koffer ja eh schon hatten und unsere Flugtickets galten weiterhin. Also wieder durch den Zoll und nochmal das ganze Handgepäck durchleuchten lassen. Getränke mussten wir schon mal nicht mehr rausnehmen, weil die ja schon beim letzten Mal dageblieben sind. Dann waren wir wieder in der Abflughalle und haben unser Gate gesucht. Und gesucht. Und gesucht. Irgendwann haben wir den Rest der Passagiere wiedergefunden. Uns war schon ganz schlecht vor Hunger und Durst. So gegen 06.15 Uhr kam ein Verantwortlicher der AHS zu uns mit einer Mitarbeiterin, die (so wirkte es zumindest) außer Grinsen gar nichts konnte. Auch die Ansage des Herren hatte schon wieder so einen top Anfang: “Meine Damen und Herren, ich muss Sie leider enttäuschen, die Ersatzmaschine aus Antalya ist nicht gekommen.” Und warum wurde uns das nicht vorher gesagt? Oder warum wurden wir dann überhaupt so früh geweckt? Weil in der Nacht ein Fax aus Antalya kam, in der Nacht aber keiner der AHS da war um dieses Fax auch zu lesen. Ich sag mal: Top Planung … Nach der neuesten Planung sollte unser Flug nun um 12.00 Uhr mit einer Ersatzmaschine der Onur Air gehen. Na Klasse!
Nur zur Erinnerung: “Am 13. Mai 2005 wurde der Fluggesellschaft sowohl vom deutschen Luftfahrt-Bundesamt als auch von niederländischen Behörden die Einflugerlaubnis wegen Sicherheitsmängeln entzogen.” (Wikipedia)
Wenigstens hat uns der Herr von AHS jedem einen Frühstücksgutschein im Wert von 10€ überreicht, den wir überall im Flughafen einlösen konnten. Viele Fluggäste sind zu einem Schnellrestaurant in Ebene 2 gegangen. Anne-Marie und ich haben uns für das Restaurant oliva in Ebene 3 des Terminal 1 entschieden. War eine seeeeeehr gute Entscheidung. Von 07.30 Uhr bis kurz vor 11.00 Uhr haben wir da mega lecker gefrühstückt. Frühstück bis zum Umfallen kostet da pro Person 12,50€, aber da wir ja unsere Gutscheine hatten, mussten wir nur noch jeweils 2,50€ bezahlen. Hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. War super lecker und irgendwann waren wir echt kurz vor’m Platzen. Das Personal da war auch voll freundlich und hat uns auch mit allen möglichen Kaffees versorgt. Das war echt der positive Höhepunkt unserer beiden ersten Urlaubstage.
Kurz nach 11.00 Uhr haben wir uns wieder in die Abflugebene des Terminals begeben. Was bedeutet das? Richtig. Nochmal wieder alles durchchecken lassen. Handgepäck scannen und alles Metallene vom Körper ab- und wieder anlegen. Dann ging’s auf zu unserm Gate (ganz am anderen Ende des Abflugbereichs). Da angekommen, habe ich mir die nächste Frage gestellt: Wo ist unser Flugzeug? Darüber haben sich die Anderen auch schon Gedanken gemacht. Also stellte ich mich mal mit in die Reihe zu denen, die an der Scheibe klebten und auf unser Flugzeug warteten.
Um genau 11.31:34 Uhr ist dann unser Airbus der Onur Air gelandet. Neun Minuten später konnten wir dann zu den Bussen, die uns dann zum Flugzeug bringen. Aber nicht so schnell. Vorher noch schön Bürokratie: Anstatt, dass sie einfach alle Passagiere ihre Boardkarte abgeben (zumindest den großen Teil davon) und dann einfach einer nach dem anderen da durch marschiert, haben die Damen der AHS die Namen der Fluggäste in einer mir nicht erklärlichen Reihenfolge aufgerufen. Hat natürlich alles schön lange gedauert.
Dann ging es aber mit dem Bus zum Flugzeug. Vorbei am Medicopter 117 und an unserer kaputten Sky-Boing, an deren Turbine Techniker rumbastelten. Nachdem wir unsere Sitze gefunden hatten, konnten wir durchs Fenster sehen, wie ein Teil der kaputten Turbine in unseren Laderaum verladen wurde. Irgendwer meinte, dass die Boing einen Vogelschlag-Schaden hatte. Wir sind dann auf jeden Fall um 13.00 gestartet. Da der Airbus etwas größer war als die ursprünglich geplante Boing, waren mehr Plätze vorhanden, auf die wir uns verteilen konnten und hatten etwas mehr Platz. Das war ein weiterer Aspekt des sehr angenehmen Fluges. Also: Daumen hoch für die Onur Air.
Gegen 17.30 Uhr türkischer Zeit sind wir dann in Antalya gelandet. Um 20.30 Uhr waren wir in unserem Hotel.
Über alles Weitere (Unsere Erlebnisse mit GTI, unser Hotel und der Rückflug) berichte ich später. Auch Fotos reiche ich dann nach.
Fazit:
Sky Airline
Ein Vogelschlagschaden hätte der Lufthansa oder Air Berlin genau so gut passieren können. Da will ich der Sky Airline nun Nichts anhängen. Nur die Organisation unserer Ersatzmaschine und der Kontakt zu der AHS in Hamburg hätte etwas besser sein können.
Onur Air
Erst hatte ich ja echt Bedenken, wie der Flug mit Onur Air wohl wird, aber dann war ich echt begeistert. Im Flugzeug war mehr Platz und Beinfreiheit als beim Rückflug mit Sky. Außerdem waren unterwegs die Bildschirme an und das Personal konnte deutsch.
Das Best Western Queens Hotel
Sicherlich kamen wir relativ überraschend, aber innerhalb von zwei Stunden hätte man meiner Meinung nach schon mal Zahnbürsten auf die Zimmer legen können. Zimmer etwas klein, aber ganz ordentlich. Ach ja: Coole Badehauben
Das Restaurant oliva
Das Frühstück war echt mega lecker. Sehr umfangreich und das Personal war auch voll nett. Echt empfehlenswert.
Aviation Handling Services
Auch der AHS konnte nichts für den Flugzeugausfall. Jedoch finde ich, hätte man besser reagieren können. Bisschen weniger Brotpause, sondern mehr planen. Und, wenn mir ein Flugzeug ausfällt und ich 180 Passagiere zu betreuen habe, bleibt ja wohl einer über Nacht am Telefon und Fax.
Naja, wie gesagt, das war’s für’s Erste. Weitere Berichte und Fotos folgen in Kürze.






2 Antworten zu “Eine Woche Urlaub: Unsere Erfahrung mit dem AHS und der Sky Airline”